Archiv für den Monat: Januar 2014

Textiler Medien-Sonntag #7 – Raunächte

Oh weh, ein Thema, mit dem ich nichts anfangen, mir nichts drunter vorstellen konnte. In unserer Region habe ich noch nie von Raunächten gehört, also wurde die große Suchmaschine in Gang gesetzt. Aus einigen Berichten habe ich das Wichtigste zusammengetragen:

Zur Mitte der Zwölfnächte, nämlich zu Silvester steht das Geisterreich offen und die Seelen der Verstorbenen sowie die Geister haben Ausgang. Dämonen können Umzüge veranstalten oder mit der wilden Jagd durch die Lande ziehen (zauberkundige Menschen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, verwandeln sich zu dieser Zeit in Werwölfe und bedrohen in dieser Gestalt Mensch und Vieh) Überall dort, wo die wilde Jagd vorbei gekommen ist,zeigt sich draußen die Natur dick mit Raureif überzogen.
In Rauhnächten werden die Orakel befragt. Tiere im Stall sprechen um Mitternacht die menschliche Sprache; erzählen über die Zukunft – wer die Tiere allerdings sprechen höre, stirbt unmittelbar danach! Die Tiere dürfen sich an diesen Tagen aber auch über ihren Herrn beschweren. Hat er sie im letzten Jahr schlecht behandelt, wird er bestraft. Unverheiratete Frauen bieten die Rauhnächte eine Gelegenheit, um Mitternacht an einem Kreuzweg oder einem anderen magischen Ort ihren künftigen Bräutigam zu sehen. Seine Gestalt erscheint dann und geht schweigend vorüber; das Mädchen darf sie weder ansprechen noch ihnen nachschauen, weil dies den Tod bedeutet.
Rauhnächte gelten als derart gefährlich, dass sie mit Fasten und Beten begangen werden müssen. Im Haus darf keine Unordnung herrschen und es darf keine weiße Wäsche auf der Leine hängen, welche dann von Reitern gestohlen werden, um sie dann im Laufe des Jahres als Leichentuch zu benutzen. Es darf keine Wäscheleine gespannt werden, da sich in diesen die wilde Jagd verfangen könnte. Es ist jüngeren Frauen verboten, weiße Wäsche aufzuhängen, weil dann die wilde Jagd angelockt wird und die fallen dann über die Frauen her. Kinder sollen nach Einbruch der Dunkelheit auch nicht mehr alleine auf der Straße sein. Darüber hinaus darf nicht mit Karten gespielt werden. Diese Vorschriften werden von Perchten überwacht.

Nun meine Interpretation in Textil: Raunächte 2014-01-01

Nachdem ich den Text zusammengetragen und mein Skizzenbuch zur Hand nahm, hatte ich bereits Elemente im Kopf wie z. B. : alles hell durch fallenden Schnee und dennoch düster durch zerlumpte Dämonen oder durch Qualm der rauchenden Schornsteine der im Eis liegenden Häuser. Mit Raureif überzogene Hagebutten, jagende Wölfe im Tiefschnee, klirrende Kälte. Das auf ca. 35 x 35 cm zu bringen war eine Herausforderung. So sehr ich dieses Thema zunächst verfluchte, um so mehr Spaß machte sie mir, nachdem der Hintergrund bedruckt war.

Die Menschen hatten in der Mitte der Zwölfnächte Angst vor den Dämonen und der wilden Jagd, so dass sie versuchten, diese mit großem Lärm zu vertreiben. So erklärt sich wohl auch auch die Knallerei und Feuerwerk zu Silvester.

So wünsche ich allen meinen BlogleserInnen ein gutes, gesundes und friedvolles Jahr 2014! Lasst es Euch gut ergehen.

Unterschrift Ichthys