Wohlstandsgesellschaft

Morgens, auf dem Weg zur Arbeit. Ich hänge meinen Gedanken nach, was der Tag wohl für mich bereithält – öhm, was frau beim Autofahren eigentlich tunlichst unterlassen sollte. Das Autoradio forderte meine Aufmerksamkeit ein, als die ersten Takte von diesen Song von Sido und seinem Astronauten ertönte. Nicht nur, dass es bei mir den schläfrigen Ohrwurm weckte, nein, ich mag den Text, den Sido zwischen dem Refrain (gesungen von Andreas Bourani) rappt. Nun gut, das Deutsch und die Ausdrucksweise ist eben typisch Sido; aber ich mag auch diesen lässigen Jargon, der uns quasi mit erhobenem Finger die Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit unserer Wohlstandsgesellschaft vor Augen führt und auch mich sehnsüchtig werden lässt, dem allen entfliehen zu wollen. Wie gut, dass wir noch träumen können 🙂

Wir sollten uns vielleicht doch einmal ernsthaft den Text durch den Kopf gehen lassen

hier Ausschnitte aus „Astronaut“ Sido feat. Andreas Bourani 

(Sido) Wir laufen rum mit der Schnauze voll, die Köpfe sind leer,
sitzen im Dreck bis zum Hals, haben Löcher im Herz,
ertränken Sorgen und Probleme in nem Becher voll Wein,
mit einem Lächeln aus Stein, uns fällt nichts Besseres ein,
wir ham morgen schon vergessen, wer wir gestern noch warn
ham uns alle vollgefressen und vergessen zu zahln,
lassen alles stehn und liegen für mehr Asche und Staub,
wir wolln alle, dass es passt, doch wir passen nicht auf,
die Stimme der Vernunft ist längst verstummt, wir hörn sie nicht mehr,
denn manchmal ham wir das Gefühl, wir gehörn hier nicht her,
es gibt kein vor und kein zurück mehr, nur noch unten und oben,
einer von Hundertmillionen, ein kleiner Punkt überm Boden.
Ich heb hab!
Strophe 2 (Sido) …Im Dunkeln der Nacht, hier oben ist alles so friedlich,
doch da unten geht’s ab,
wir alle tragen dazu bei, doch brechen unter der Last,
wir hoffen auf Gott, doch ham das Wunder verpasst,
wir bauen immer höher, bis es ins Unendliche geht,
fast 8 Milliarden Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt,
von hier oben macht es alles plötzlich gar nichts mehr aus,
von hier fühlt man keine Grenzen und die Farbe der Haut,
dieser ganze Lärm und nichts verstummt, ich hör euch nicht mehr,
langsam hab ich das Gefühl ich gehöre hier her,
es gibt kein vor und kein zurück mehr, nur noch unten und oben,
einer von Hundertmillionen, ein kleiner Punkt überm Boden.

Bridge (Andreas Bourani): Und beim Anblick dieser Schönheit, fällt mir alles wieder ein, sind wir nicht eigentlich am leben, um zu lieben und zu sein, hier würd ich gern für immer bleiben, doch ich bin ein Wimpernschlag, der nach 5 Milliarden Jahren nicht viel mehr zu sein vermag.

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